Ikonenmalen

Ikonen - Fenster zum Ewigen

Schon seit längerem wollte ich an einem Kurs zum Ikonenmalen teilnehmen, leider kam immer etwas dazwischen, doch jetzt war endlich Zeit vorhanden, um eine neue Erfahrung machen zu können.

Zusammen mit zehn anderen Teilnehmer/innen fanden wir uns im Landhaus am Heinberg ein, um uns eine ganze Woche lang nur der Ikonenmalerei zu widmen, einige hatten schon jahrelange Erfahrung, für zwei Teilnehmer/innen war das die erste Begegnung mit einer uralten Tradition.

Geleitet wurde der Kurs von der bekannten Ikonenmalerin Frau Katharina Sitnikov-Peters aus Paderborn, die mit ihrer langjährigen Erfahrungen den Neulingen und den bereits geübten Ikonenmaler/innen fachlich und unterstützend zur Seite stand. Diakon Diether Wegener begleitete den Kurs und nahm am letzten Abend die Ikonenweihe vor.

Ikonen als Fenster zum Ewigen kann man nicht „machen“, sie entstehen in einer Grundhaltung des Gebetes und der Stille, nach uralter Tradition und beeindruckendem Kunst-Handwerk und in dem Bewusstsein, dass Gott selbst in der Ikone anwesend sein will, in alten Darstellungen auf Farben und Gold komponiert.

Der Malermönch Dionysios vom Berg Athos betet: „Du göttlicher Herr, von allen Seiten erleuchte und erhelle meine Seele, mein Herz und den Geist Deines Dieners, führe meine Hand, dass ich würdig und vollkommen Dein Bild und aller Heiligen beschreiben kann, zu deinem Ruhme und zur Verherrlichung und Zierde Deiner heiligen Kirche...“

Der Malermönch will das Bild Gottes und der Heiligen „beschreiben“  – deshalb wird diese Kunst auch „Ikonen schreiben“ genannt.

So gestimmt verbrachten wir viele Stunden an unseren Arbeitstischen. Man muss warten können und in vielen einzelnen Arbeitsschritten langsam das Bild entstehen lassen. Äußere Konturen werden gezeichnet, kräftigen Farben aufgemalt, die immer weiter aufgehellt werden, damit zum Schluß Gesichter entstehen und der Faltenwurf so ausgeführt werden kann, wie vor vielen hundert Jahren. Die haudünne Goldfolie wurde kunstvoll von der Ikonenmalerin aufgetragen.

Die erfahrenen Teilnehmer/innen konnten schon sehr eigenständig ihre Ikone „schreiben“, Frau Sitnikov gab jedoch immer wieder wichtige Ratschläge und Unterstützung, damit die Ikonen nach alten Regeln fertig gestellt werden konnten.

Die Ikonenweihe war der Höhepunkt des Kurses. Mit alten Zeremonien und Gebeten aus der orthodoxen Kirche wurden die Ikonen gesegnet und geweiht, damit die Menschen von heute in ihnen die göttliche Präsenz erkennen und erfahren können.

Andreas Watzek

 

 

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